01.09.2026
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Paul Thelen – Ein nimmersatter Abenteurer

Würselen. Paul Thelen stellt höchste Ansprüche an sich selbst und sucht immer wieder neue Herausforderungen. Motorsport, Marathon, Bergsteigen und Ausdauersport-Rennen prägten seinen außergewöhnlichen Weg. Mit 83 Jahren bereitet er sich bereits auf sein nächstes großes Ziel vor. Sein Motto begleitet ihn dabei: „Never stop moving“ – körperlich und geistig.

Gefeiert von 10.000 Triathlon-Fans überquert Paul Thelen mit seinen Staffelkollegen Joachim Hintze (84 Jahre) und Werner Stöcker (86) die Ziellinie bei der Challenge Roth. Während die Moderatoren die Ü80-Herren würdigen, blickt Paul Thelen auf die Uhr: „21:30 Uhr im Ziel – so haben wir uns das vorgestellt.“ Erst als zum Abschluss des Triathlon-Spektakels eine Laser- und Drohnenshow den fränkischen Himmel erleuchtet, werden seine Augen feucht. Für den 83-Jährigen aus Linden-Neusen ist Roth das emotionalste Sportereignis, das es gibt. Als Radfahrer der Staffel absolvierte er die 180 Kilometer in 5:56 Stunden. „Auf dem Rad ist mir gar nicht bewusst, dass ich da mit über 80 Jahren unterwegs bin.“

Schnell richtet sich der Blick auf sein nächstes sportliches Projekt: Paul Thelen möchte am kommenden Sonntag die Duathlon-Weltmeisterschaft in der Schweiz meistern. Mit 10 Kilometern Laufen, 150 Kilometern Radfahren und weiteren 30 Laufkilometern sowie 2600 Höhenmetern gilt das Ausdauerrennen in Zofingen als eines der härtesten der Welt.

Von der Molkerei in die Welt
Geboren wurde Paul Thelen 1943 im Selfkant, wo sein Vater eine Molkerei leitete. Schon als Kind spielte Sport für ihn eine große Rolle – auf dem Abenteuerspielplatz und beim Fußball. Nach Offiziersausbildung, einem Studium zum Diplom-Ingenieur für Milch- und Molkereiwirtschaft und anschließendem Marketingstudium führte ihn sein Berufsweg zunächst ins Management einer Molkerei. Danach machte er sich als Unternehmensberater in der Milch- und Fruchtsaftindustrie selbstständig. „Ich war ein Workaholic“, meint er rückblickend. Disziplin, Zielorientierung, Vorbereitung und Verantwortung galten für ihn im Geschäftsleben genauso wie im Sport.

Nach dem Studium betrieb er elf Jahre Motorsport. So fuhr er auf Alfa Romeo Renntourenwagen im Rahmenprogramm der europäischen Formel 1-Rennen. „Mich faszinierte schon immer das Zusammenspiel aus Technik, Strategie und Risikobewusstsein. Mich reizt es, mich tief in eine Sportart einzuarbeiten.“ Als er auf Geschäftsreisen das Laufen entdeckte („Laufen geht immer“), blieb es ebenfalls nicht bei Volksläufen wie den 10 Kilometern von Dürwiß. 2004 wurde er in Neuseeland Marathon-Vizeweltmeister seiner Altersklasse. Anschließend wandte er sich wieder einem neuen Betätigungsfeld zu, denn einer seiner Leitsätze lautet: „Wenn du in einer Sache Meister geworden bist, beginne in einer neuen Sache als Schüler.“

Immer wieder ein neuer Anfang
So zog es ihn in die höchsten Gebirge der Welt. Ein Traum, seit er als Zehnjähriger die Berichte über die Erstbesteigung des Mount Everest verfolgte. „Das konnte ich mir mit über 60 und geringeren Anforderungen im Beruf endlich verwirklichen.“ Mehr als 20 Berge über 5.000 Meter bestieg er, zwischenzeitlich als Tourguide. Am Everest brach Paul Thelen auf 8.000 Metern Höhe den Gipfelversuch ab, weil sein Expeditionsfreund Dr. Eberhard Schaaf an den Folgen der Höhenkrankheit starb. „Das schlimmste Erlebnis meines Lebens“, sagt Paul Thelen. Sein Buch „Ans Limit – Mit 68 Jahren zum Mount Everest“ half ihm später, das Erlebte zu verarbeiten. Nepal blieb für ihn dennoch ein besonderer Ort. Nach dem dortigen Erdbeben 2015 engagierte er sich über die Stiftung seines Freundes Hubert Schwarz am Wiederaufbau von Häusern und einer Schule.

Mit 74 Jahren begann Paul Thelen damit, Rennrad zu fahren. Bereits ein Jahr später bestritt er im Viererteam das Ultrarennen Race Across America über 5.300 Kilometer. Sein wichtigstes Motto lautet: „Never stop moving“ (Immer in Bewegung bleiben) – im Sport und im Sinne der geistigen Neugier. „Ich bin überzeugt, dass regelmäßiger Sport wesentlich dazu beiträgt, bis ins hohe Alter körperlich und mental fit zu bleiben.“ Dafür wirbt er in Vorträgen und auf Instagram. Außerdem unterstützt er noch ein Unternehmen aus der Molkereibranche und verbringt Zeit mit seiner Frau Beate – auch wenn ihn die nächste sportliche Herausforderung nie lange loslässt.

Nichts dem Zufall überlassen
Diese wartet an diesem Sonntag in der Schweiz. Auf die Duathlon-WM bereitet er sich mit derselben Akribie vor, die ihn schon immer begleitet hat. Er studiert Höhenprofile, analysiert Zeiten der Vorjahre und stimmt Trainingspläne mit einem Online-Coach ab. Als Vorbild sehe er sich nicht. „Ich bin eher ein Beispiel für lebenslangen Sport und Fitness im Alter.“ Sein Plan für Zofingen: Das Ziel erreichen – in unter 11:54 Stunden, um in die Wertung zu kommen. „Die Strecke ist mit meinen Erfolgen beim flachen, kürzeren Duathlon in Alsdorf nicht zu vergleichen. Aber mit Vorbereitung und Willenskraft kann man enorm viel schaffen.“ Paul Thelen wäre der älteste Athlet aller Zeiten, der dieses ikonische Rennen bewältigt.

Tim Schmitz

Dieser Artikel wurde in der August-Ausgabe des REGIO LIFE-Magazins veröffentlicht. REGIO LIFE erscheint alle zwei Monate und liegt kostenlos zum Mitnehmen in vielen Geschäften und an weiteren Stellen in Eschweiler und Umland aus.