Justine Noske – Arbeiten über den Wolken
Düsseldorf / Eschweiler. In der Urlaubszeit ist einiges los an den Flughäfen. Im Trubel am Düsseldorfer Airport beginnt der Arbeitstag der Flugbegleiterin Justine Noske, für die es immer hoch hinaus geht. In ihrem Traumjob muss die Eschweilerin auf vieles gewappnet sein.
Aus mehreren Kilometern Höhe auf die Erde blicken: Diese Aussicht hat Justine Noske, geborene Leyendecker, fast täglich. Im Sommer ist die Flugbegleiterin (der Begriff Stewardess gilt als veraltet) verstärkt im Einsatz. Ihre Gesellschaft TUIfly bedient vor allem die klassischen Urlaubsziele Mallorca, Ibiza, Griechenland, Kanaren, Kapverden, Türkei und Ägypten. „Ab dem März zieht das Flugprogramm merklich an. Gerade von Juli bis Oktober sind die Flieger voll, während der Winter häufiger Wartungen von Maschinen und Überstunden-Abbau erlaubt“, beschreibt Justine Noske die sehr saisonale Branche.
Fliegen war für die 34-Jährige, die in der Zukunft privat mal Australien bereisen möchte, schon immer faszinierend. Mit den Eltern ging es früher mehrfach in die USA. „Weil ich soviel von den Flugreisen geschwärmt habe, reifte der Gedanke, beruflich in die Lüfte zu steigen.“ Ihre Mutter, die bis zur Berentung im Management des Flughafens Köln/Bonn tätig war, ermunterte Justine, sich bei den Fluggesellschaften zu bewerben. Dies tat sie letztlich im Jahr 2010 nach ihrer Zeit an der Liebfrauenschule und einem halben Jahr als Au-Pair auf einem Reiterhof im US-Bundesstaat South Carolina.
15 Jahre statt 2 Saisons
Flugbegleitende benötigen einen Schulabschluss, ein tadelloses Führungszeugnis und gute Englischkenntnisse. Eine mehrjährige Ausbildung gibt es nicht, stattdessen eine achtwöchige Spezialausbildung bei der einstellenden Airline. „Damals dachte ich daran, zwei Hauptsaisons im Kabinenservice zu verbringen. Jetzt sind es schon 15 Jahre bei der TUIfly – bis 2019 in Köln und seitdem in Düsseldorf“, blickt Justine Noske zurück. „Man spürt recht schnell, ob es der geeignete Job ist, zumal es nicht jeder verträgt, in 10.000 Metern Höhe in einer Druckkabine zu arbeiten.“ Für die Eschweilerin stellte sich heraus: Flugbegleiterin ist ihr Traumberuf, den sie mit Herz und Leidenschaft ausübt. „Ich freue mich jeden Tag auf die netten Kollegen, die Passagiere und die Starts – die sind für mich immer etwas Besonderes.“ Unerlässlich sei Teamfähigkeit, Belastbarkeit sowie Spaß am Umgang mit Menschen. „Wir möchten, dass die Gäste sich in entspannter Atmosphäre wohlfühlen. Dabei ist es völlig normal, als Flugbegleiterin beobachtet zu werden, denn natürlich schauen viele, was auf dem Gang passiert“, erzählt sie lächelnd.
Immer wieder neue Teams
Bevor es losgeht, macht Justine Noske sich morgens daheim in Kinzweiler fertig. In gut sitzender Uniform und hohen Schuhen durchläuft sie in Düsseldorf die Sicherheitskontrolle und trifft sich mit den anderen Crewmitgliedern. Kurz bespricht man die Flüge des Tages und Besonderheiten, etwa ob Rollstuhlfahrer zu den Passagieren zählen. Nachdem der Caterer die Verpflegung an Bord gebracht hat, wird der Materialbestand kontrolliert, der Flieger vorbereitet und der Sicherheitscheck vollzogen, ehe das Team die Gäste begrüßt. Pro Flug sind vier Personen in der Kabine und zwei Piloten im Einsatz. Inklusive sämtlicher Bereiche arbeiten bei der TUIfly knapp 2.000 Menschen, die sich auf fünf deutsche Flughäfen verteilen. In Düsseldorf kennt Justine Noske die meisten Mitarbeiter, aber nach wie vor nicht alle. „Es sind immer andere Kollegen mit an Bord. Das macht jeden Tag zu etwas Neuem.“
Schnell und sicher reagieren
Wichtig allerdings: Obwohl man die anderen Crewmitglieder womöglich noch nie zuvor sah, müssen sich alle stets aufeinander verlassen können, denn Sicherheit hat höchste Priorität. Die Reaktionen auf eventuelle Notfälle werden während der Ausbildung in Flugzeugnachbauten simuliert und intensiv trainiert sowie jährlich in dreitägigen Lehrgängen mit praktischen und theoretischen Prüfungen geschult. Die Flugbegleiter müssen auf sämtliche Begebenheiten vorbereitet sein, auch wenn ein Passagier einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden sollte. Da gilt es, die Medikamente und medizinische Ausrüstung an Bord zu kennen und Erste Hilfe zu leisten, insbesondere wenn gerade kein Flughafen in der Nähe ist. „Genauso müssen wir mit den Stresssituationen umgehen, falls ein Feuer ausbricht oder das Flugzeug evakuiert werden müsste. Alle Handgriffe und Verfahren müssen sitzen, um schnell und richtig zu reagieren“, unterstreicht Justine Noske, die einem Mann mal bei einem Kreislaufkollaps zur Seite stand. Die Crew mindert zudem die Nervosität der Gäste, darunter die der Kinder, und löst gekonnt Konflikte, wobei diese selten vorkommen, sagt die 34-Jährige: „Die allermeisten Passagiere sind freundlich. Man merkt vielen die Vorfreude auf den Urlaub oder die Erholung davon an.“
Die Aufgaben der Flugbegleiter also darauf zu reduzieren, Sicherheitseinweisungen zu geben, Getränke und Essen zu servieren und den Bordverkauf durchzuführen, an dem sie übrigens über eine Verkaufsprovision mitverdienen, oder gar despektierlich von „Saftschubsen“ zu sprechen, wird dem verantwortungsvollen Beruf nicht gerecht. „Oft denken Leute auch, wir könnten die Zeit am Zielort genießen. Dabei bekommt man von der Destination in der Regel nichts zu sehen“, berichtet Justine Noske. Etwa 45 Minuten pausiert das Team nach der Landung im geparkten Flugzeug, während das Cleaning-Personal durch die Kabine fegt und getankt wird. Dann warten schon die neuen Passagiere.
Fliegen und Familie
Justine Noske, die wie ihre Kollegen von einzelnen vergünstigten Flügen pro Jahr profitiert, hat stets flexible Arbeitswochen. Sie kann für alle Routen von TUIfly eingesetzt werden, auch für den Flug auf die Kapverden. Dort übernachtet sie aufgrund der weiten Entfernung im Crewhotel und steckt ab und an tatsächlich die Füße in den Sand. Grundsätzlich wechseln sich „Base-to-Base“-Wochen, wenn sie abends nach einem Hin- und einem Rückflug in Düsseldorf ankommt, mit „Umlaufwochen“ ab. Darin trifft sie nach mehreren Stopps mit Übernachtungen in anderen Städten erst am dritten bis fünften Tag erneut in Düsseldorf ein. Teil ihres Monatsplans sind ebenso Bereitschaftstage, an denen sie für Kollegen einspringen könnte. Eine Strapaze? „Nein, ich komme gut mit den unterschiedlichen Arbeitstagen und -zeiten zurecht. Geregelt von montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr im Geschäft oder Büro sein und möglicherweise noch Probleme mit nach Hause nehmen könnte ich mir gar nicht mehr vorstellen.“
Als Mutter eines zweijährigen Sohnes nutzt die Eschweilerin aktuell ein Teilzeitmodell mit 10 bis 13 Arbeitstagen im Monat. Sie hält den Job aber auch für vereinbar mit dem Familienleben, sobald sie wieder auf Vollzeit hochstockt. In jedem Monat kann man sich Einsätze auf bestimmten Flügen und sechs freie Tage wünschen. „Im Karnevalsmonat ist einer davon immer der Rosenmontag. Das muss sein“, sagt sie lachend. In ihrer Freizeit ist sie natürlich viel bei ihrer Familie. Außerdem kümmert sie sich um ihr in Langerwehe stehendes Pferd und trifft Freunde, die oft interessiert nachfragen, wo sie in der nächsten Woche hinfliegt.
Am gleichen Tag mittags auf den Kanaren landen und abends wieder zuhause in Kinzweiler sein – Justine Noske erfüllt das Arbeiten über den Wolken und will nichts anderes.
Tim Schmitz
Dieser Artikel wurde in der August-Ausgabe des REGIO LIFE-Magazins veröffentlicht. REGIO LIFE erscheint alle zwei Monate und liegt kostenlos zum Mitnehmen in vielen Geschäften und an weiteren Stellen in Eschweiler und Umland aus.